Die Schleife der Wiederholungen

In den Neunziger Jahren gab es den amerikanischen Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in dem der Hauptdarsteller immer wieder denselben Tag mit den exakt gleichen Erlebnissen durchlebt. Das passiert solange, bis er sich verändert und von sich aus beginnt, anders zu handeln und letztendlich zufriedener zu werden.

Nun ist ein Film immer auch Unterhaltung und spiegelt nicht immer die Wirklichkeit ab, doch hat dieser Film etwas Wahres.

Immer wieder das Gleiche?

Manche fragen sich, warum sie immer wieder in die gleichen unbefriedigenden Beziehungen eintreten, chronisch unzufrieden in verschiedenen Berufen sind, oder in einer anderen Lebenssache immer wieder das Gleiche erleben.

Dabei geht es eigentlich um immer wieder das gleiche Gefühl, welches uns insgesamt unzufrieden sein lässt.

Wir brauchen jedoch nicht zu erwarten, dass wir andere Ergebnisse bekommen, wenn wir immer wieder auf die gleiche Weise denken und handeln. Es liegt in der Natur der Sache, dass das gleiche Handeln immer wieder das gleiche Echo hervorbringt.

Das kann man auch als Schleife der Unendlichkeit betrachten, in der man sich immer wieder bewegt. Und die immer wieder zum gleichen Punkt führt.

Raus aus der Schleife

Der erste Schritt zum Heraustreten aus der Schleife liegt darin, zu erkennen, dass es an einem selbst liegt und nicht an den Umständen, anderen Menschen, Geld (meist fehlt es), oder an sonst etwas. Was das bringt? Wir nehmen dadurch die Dinge wieder selbst in die Hand, weil wir das, was uns passiert, nicht mehr dem Außen zuschreiben. Sondern unseren eigenen Anteil erkennen.

Es hilft sicher auch, sich einzugestehen, dass man selbst Fehler gemacht hat, Dinge verkannt hat, Illusionen hatte oder wir können erkennen, dass andere auch Fehler gemacht haben. Dadurch können wir sehen, dass Verantwortung auch bei anderen liegt, und nicht nur bei einem selbst. Menschen sind fehlbare Wesen, das gehört zum Menschsein und zum Leben generell dazu.

Dann können wir beginnen, Dinge neu zu betrachten, und auf diese Weise entstehen neue Möglichkeiten, zu denken und zu handeln.

Können wir uns „selbst finden“?

Es gibt Menschen, die auf lange Wanderungen gehen, um „sich selbst zu finden“. Zu mir sagte auch mal eine Bekannte, ob ich alleine wandern gehe, um mich selbst zu finden. Damals sagte ich ja dazu.

Wen oder was wollen wir finden?

Heute sehe ich das anders. Was genau wollen wir eigentlich finden? Etwa ab der Pubertät, so die Entwicklungspsychologen, starten wir damit, unsere eigene Identität nach und nach zu definieren. Wir identifizieren uns mit Idolen, Prominenten, Bands usw. und oft auch mit unseren Freunden. Wenn wir uns also einen idealtypischen Verlauf der Entwicklung eines Menschen anschauen, müssten wir uns alle in der Pubertät „selbst gefunden haben“, um dann mit eigener Identität ins Leben zu starten. So viel zur theoretischen Betrachtung, welche leider außer Acht lässt, dass jeder Mensch ein Individuum ist und somit kein weiterer Mensch so ist man selbst. Dies macht es nicht leicht, idealtypische Verläufe zu definieren. Die theoretische Betrachtung hilft für den Ansatz eines Verständnisses und sicher auch für wissenschaftliche Untersuchungen, doch sie lässt wenig flexible Betrachtung zu.

Statt „selbst finden“ besser einfach leben

Ich glaube, dass Selbstfindung eine zu starre Betrachtung des Lebens ist. Denn für mich beinhaltet die Selbstfindung die Annahme, dass wenn wir irgendwann uns selbst gefunden haben, dann sozusagen „fertig“ sind. Doch fertig mit was? Das Leben ist ein Lernprozess vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens. Jeder und jede kann selbst entscheiden, wie viel er oder sie lernen möchte. Damit ist es aber, so finde ich, auch ausgeschlossen, dass wir irgendwann uns selbst finden und dann, ja was dann? Laufen wir dann wie beim Marathon oder Iron Man in eine Ziellinie ein und setzen danach für immer aufs Sofa?

Das Leben ist äußerst dynamisch und immer in Bewegung. Was wir vielleicht eher sagen können, ist, dass wir im Laufe des Lebens besser und besser wissen, wer oder was uns gut tut und was nicht. Wir schauen, was wir mögen, wie wir uns wohlfühlen und mit wem.

Wenn wir das regelmäßig machen, brauchen wir nichts mehr finden, sondern wir können uns auf das Leben einlassen und sozusagen mit dem Fluss schwimmen. Ohne anzukommen.