Erkenntnis verändert Gefühle

Manchmal kommen wir in ganz starke Gefühle, die uns wie eine Welle mitnehmen. Dann kann es schnell passieren, dass wir glauben, die Welle könnte uns überrollen und überwältigen. Wir drohen zu ertrinken.

Doch wie wir bei Wellen am Strand auch beobachten können, kann man von einer Welle zwar stark mitgenommen werden, aber nicht ertrinken. Wellen kommen und Wellen gehen.

Genauso ist es mit unseren Gefühlen. Gefühle kommen und Gefühle gehen. Wenn ein Gefühl genährt wird, dann wird es stärker. Umgekehrt ist es genauso: Wenn ein Gefühl dauerhaft nicht genährt wird, vergeht es. In solch einem Fall überlagert die Erkenntnis das bisherige Gefühl, und das Gefühl verändert sich oder vergeht gänzlich.

Wir selbst bestimmen über unsere Gefühle

Wir selbst sind der Herr oder die Herrin über unsere Gefühle. Alle Gefühle kommen aus uns, da wir allein sie fühlen und niemand sonst. Somit können wir auch beeinflussen, wie wir mit Gefühlen umgehen.

Wenn wir beginnen, uns selbst und unsere Gefühle zu beobachten, können wir lernen zu entscheiden, ob wir einem Gefühl folgen oder nicht. Es gibt hier kein richtig oder falsch, nur das Fühlen im Hier und Jetzt. Wir allein entscheiden, wie es uns geht. Gefühle zeigen uns einen möglichen Weg zum Handeln, den nur wir allein gehen können. Und das ist das Schöne: Wir haben die Klarheit und die Verantwortung für uns selbst. Daraus können wir uns ein Leben gestalten, mit dem es uns dauerhaft gut geht.

Gefühle zulassen – Und dann?

Gefühle sind immer richtig und leiten uns den Weg zu einem Leben, das für uns passt. Zuerst lernen wir Gefühle überhaupt erstmal wahrzunehmen. Vielleicht können wir einordnen, wo im Körper wir diese spüren. Und vielleicht können wir in Worte fassen, was uns bewegt. Denn es sind immer Gefühle, die uns bewegen, da sie unser Herz berühren. 

Gefühle kehren zurück

Wenn wir Gefühle dauerhaft unterdrücken, tut uns das nicht gut. Denn diese verschwinden nicht, wie schon Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, feststellte, sondern sie kehren immer wieder zurück. Sie tauchen so oft wieder auf, bis wir einen neuen Weg gefunden haben, mit ihnen umzugehen. 

Denn hier wird es jetzt spannend: Wir können Gefühle spüren, also zulassen. Das ist eine tolle Sache, nur stellt sich dann die Frage, was wir damit dann machen. Denn Gefolge zu fühlen ist super, da wir sie dann wahrnehmen und nicht mehr unterdrücken. 

Der Schlüssel zu einem passenden Leben liegt aber darin, mit den Gefühlen umzugehen. Oder anders formuliert, mit Gefühlen zu arbeiten. Denn was bringt es uns, das Gefühl im Körper lediglich zu spüren? Dadurch verändert sich erstmal nichts. 

Gefühle als Signale

Das Gefühl können wir als Signal sehen, welches uns zu einer Handlung auffordert. Das muss nicht zwingend eine Veränderung im Außen sein, sondern kann auch eine neue Einstellung zu Beziehungen, unserem Beruf oder anderen für uns wichtigen Dingen sein. Wenn wir auf das Signal hören und entsprechend reagieren, wird das Gefühl entweder verschwinden oder in ein anderes Gefühl verändern.

Gefühle sind immer richtig und wir sollten sie nie bewerten, sondern sie interpretieren.

Verzweiflung birgt Hoffnung

Manchmal haben wir das Gefühl, dass es nicht mehr weiter geht. Nichts bewegt sich, wir fühlen uns wie gefangen in uns selbst. Oder noch schlimmer, wir haben vielleicht gar kein Gefühl mehr, ein Gefühl der Gefühllosigkeit. Es gibt ein Entkommen aus dem eigenen Selbst. Wir haben uns schließlich immer mit dabei, egal wohin wir gehen.

Verzweiflung bringt uns nahe an den mentalen Abgrund

Dann kann sich leicht ein Gefühl von Verzweiflung einstellen, da es gefühlt keinen Horizont mehr gibt, keine Perspektive, keine Hoffnung. 

Verzweiflung ist jedoch, wie alles andere auch, „nur“ ein Gefühl. Und das bedeutet zum Einen, dass es vorbei geht (auch wenn es wiederkommen mag), und zum Anderen auch, dass wir eine gewisse Steuerungsmöglichkeit haben. Denn wir können unsere Gefühle verändern. Sie zuzulassen ist wichtig, aber dann können wir etwas damit anfangen.

Von der Verzweiflung ins Leben

Schauen wir auf die vermeintliche Hoffnungslosigkeit. Es gibt immer Möglichkeiten, Ideen, Lösungen. Wir müssen sie nur sehen, und Gelegenheiten lernen zu ergreifen.

Dann kann sich die Verzweiflung „wieder schlafen gehen“, denn wie jedes andere Gefühl auch, oder jeder mentale Zustand, will uns etwas mitteilen. Wenn wir dahin schauen, können wir verändern. So werden wir aktiv und können unser Leben gestalten. Denn letztlich will auch die Verzweiflung uns nur den Weg ins Leben anzeigen.

Das Leben ist ein Moment

Unser ganzes Leben ist, wenn wir es mal auf eine neue Weise betrachten, eine Abfolge von ganz vielen einzelnen Momenten. Manchmal vergeht die „wie im Flug“, ein anderes Mal zieht sich die Zeit zäh und es wird „lang-weilig“. 

Für Tiere existiert kein Verständnis für Zeit und die Begrenztheit des eigenen Lebens. Das macht es für Tiere so einfach, den Moment und das Leben an sich einfach zu leben, zu genießen und zu tun, was gerade zu tun ist. 

Denken vernebelt uns den Moment 

Bei uns Menschen gibt es den großen Bereich in unserem Gehirn, welcher noch relativ jung ist – evolutionär betrachtet – die Grosshirnrinde. Die macht es uns möglich, abstrakter zu denken, zu planen und macht auch das Wissen um die Begrenztheit unseres eigenen Lebens möglich. Und hier wird es komplex. Denn wir Menschen haben dadurch viele Gedanken und Gefühle, die wir mit Hilfe dieses großen Bewusstseins ständig neu balancieren. 

Um wieder im Moment zu leben, einfach im Hier und Jetzt zu sein, braucht es uns etwas Übung, da wir zumindest in den westlichen Industriegesellschaften dazu neigen, sehr viel im Kopf und mit dem Denken unterwegs zu sein. Diese starke Kognitionen hält uns jedoch von eben jenen Momenten manchmal ab, denn in der Zeit, wo wir denken, planen, grübeln, haben wir wenig Aufmerksamkeit für andere Dinge. 

Die Seele hat keine Zeit 

Im Seelischen gibt es aber zum Glück keine Zeit. Das kennen wir, wenn wir mit lieben Menschen länger nicht gesprochen haben und beim Kontakt dann trotzdem das Gefühl haben, als hätten wir uns „erst gestern“ gesprochen. Und auch wenn wir manchmal aus der Spirale des Verstandes, Kopf, Kognitionen, Planen und Denken generell gefühlt kaum herauskommen, so ist es doch so, dass wir immer wieder dran bleiben können und dem Moment mehr Aufmerksamkeit schenken können. So können wir mehr und mehr der vielen Momente, die das Leben bereithält, einfach genießen ohne nachzudenken.

Wir müssen insgesamt aktiver umgehen mit unserem großen Bewusstsein, aber der Vorteil ist, dass wir dadurch mehr Entscheidungsfreiheit haben als unsere tierischen Verwandten. So können wir unsere Aufmerksamkeit auf Dauer verändern und damit auch unser Bewusstsein. Und auf diese Weise kann sich unser ganzes Leben verändern. 

Denn Leben ist nicht das, was passiert während wir Pläne machen, sondern Leben ist oft spontan, unvorhersehbar und ungewiss, und besteht letztendlich nur aus Momenten, die aufeinander folgen. Und genau in dieser Betrachtung liegt eine große Kraft.

Die Schleife der Wiederholungen

In den Neunziger Jahren gab es den amerikanischen Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in dem der Hauptdarsteller immer wieder denselben Tag mit den exakt gleichen Erlebnissen durchlebt. Das passiert solange, bis er sich verändert und von sich aus beginnt, anders zu handeln und letztendlich zufriedener zu werden.

Nun ist ein Film immer auch Unterhaltung und spiegelt nicht immer die Wirklichkeit ab, doch hat dieser Film etwas Wahres.

Immer wieder das Gleiche?

Manche fragen sich, warum sie immer wieder in die gleichen unbefriedigenden Beziehungen eintreten, chronisch unzufrieden in verschiedenen Berufen sind, oder in einer anderen Lebenssache immer wieder das Gleiche erleben.

Dabei geht es eigentlich um immer wieder das gleiche Gefühl, welches uns insgesamt unzufrieden sein lässt.

Wir brauchen jedoch nicht zu erwarten, dass wir andere Ergebnisse bekommen, wenn wir immer wieder auf die gleiche Weise denken und handeln. Es liegt in der Natur der Sache, dass das gleiche Handeln immer wieder das gleiche Echo hervorbringt.

Das kann man auch als Schleife der Unendlichkeit betrachten, in der man sich immer wieder bewegt. Und die immer wieder zum gleichen Punkt führt.

Raus aus der Schleife

Der erste Schritt zum Heraustreten aus der Schleife liegt darin, zu erkennen, dass es an einem selbst liegt und nicht an den Umständen, anderen Menschen, Geld (meist fehlt es), oder an sonst etwas. Was das bringt? Wir nehmen dadurch die Dinge wieder selbst in die Hand, weil wir das, was uns passiert, nicht mehr dem Außen zuschreiben. Sondern unseren eigenen Anteil erkennen.

Es hilft sicher auch, sich einzugestehen, dass man selbst Fehler gemacht hat, Dinge verkannt hat, Illusionen hatte oder wir können erkennen, dass andere auch Fehler gemacht haben. Dadurch können wir sehen, dass Verantwortung auch bei anderen liegt, und nicht nur bei einem selbst. Menschen sind fehlbare Wesen, das gehört zum Menschsein und zum Leben generell dazu.

Dann können wir beginnen, Dinge neu zu betrachten, und auf diese Weise entstehen neue Möglichkeiten, zu denken und zu handeln.

Empathie bringt uns voran

Empathie ist die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen. Dies macht uns zu sozialen Wesen und führt zu einem kooperativen Miteinander. Wenn wir empathisch sind, heißt das nicht, dass wir alle Emotionen unseres Gegenübers nachfühlen müssen, aber wir können die Gefühle und das, was unsere Mitmenschen bewegt, nachvollziehen und entsprechend reagieren. Empathie ist die Basis einer gelingenden Kommunikation und verbessert damit unsere Beziehungen generell oder erhält sie aufrecht.

Empathie ist eine tolle Fähigkeit, welche uns mit anderen verbindet. Eng damit verbunden ist die Fähigkeit, sich in sich selbst einzufühlen und über unser eigenes Erleben und Verhalten nachzudenken. Das nennen wir Selbstreflexion.

Hinzu kommt, dass Empathie uns resilienter macht, da wir uns in einem sozialen Netzwerk sicher & wohl fühlen können.

Empathie und Selbstreflexion hat nicht jeder

Leider haben manche Menschen wenig Empathie und kaum Selbstreflexion. Dies äußert sich zum Beispiel in egozentriertem, also sich selbst ständig in den Mittelpunkt rückenden Verhalten, oder in allgemein rücksichtslosem Verhalten. Diese Menschen können meist nicht gut zuhören und es kommt oft nicht zu Dialogen, sondern diese Menschen führen Monologe vor anderen. Eine Diskussion mit sachlichem Austausch von Argumenten ist kaum möglich. Sie sind oft nachtragend und sind schnell beleidigt, da sie kaum kritikfähig sind. Daher kommt es schnell zu Konflikten oder unangenehmen Situationen. Es ist schwierig, mit diesen Menschen echte zwischenmenschliche Begegnungen zu haben, da sie selbst mit sich selbst kaum in Kontakt stehen. Daher nehmen uns diese Menschen in der Begegnung oft mehr Energie als sie uns geben, wenn wir nicht aufpassen. Wir bezeichnen sie daher auch als schwierig und anstrengend oder unflexibel.

Ich glaube, dass diese Menschen in ihrem Leben wenig Möglichkeiten hatten, Empathie zu entwickeln. Dies mag oft auf ihre eigene Geschichte zurückgehen, da Kinder erst ab dem Vorschulalter Empathie entwickeln und um diese Fähigkeit weiter zu kultivieren braucht es ein Umfeld, welches das ermöglicht. Dies soll allerdings keine Entschuldigung sein für das Fehlverhalten im Erwachsenenalter, doch vielleicht lässt es uns mit etwas Milde auf diese Menschen schauen.

Empathie mit uns selbst

Im Umgang mit anderen Menschen müssen wir immer zuallererst darauf schauen, dass es uns selbst gut geht. Dies ist keine Egozentrik, sondern gesunder Egoismus. Wenn wir für uns selbst gut sorgen, dann können wir auch empathisch mit anderen Menschen umgehen.

Doch wie gehen wir konstruktiv mit Menschen um, die so ganz anders denken als wir, aber leider nicht auf die empathische Weise kommunizieren und leben, wie wir es tun?

Der Umgang mit „schwierigen“ Menschen

Ich glaube, dass es mit fast jedem Menschen möglich ist, eine Schnittstelle, ein Thema, eine Situation, eine Aktion, ein Umfeld der Begegnung zu finden, welches es für uns – wenn nicht angenehm, dann zumindest neutral – diese Begegnung gestalten lässt.

Vielleicht gehen wir einfach mal kreativ, ohne Vorurteile, ohne Vorstellungen über „richtiges“ Verhalten und unbelastet an den Menschen heran. Nutzen wir doch unsere Empathie als Vorteil, um den zwischenmenschlichen Kontakt auf gewinnbringende (oder zumindest neutrale) Weise zu gestalten.

Wir können dies als kleine Herausforderung betrachten, welche es zu meistern gilt. Und vielleicht sind wir dann überrascht, was sich alles Neues ergeben kann. Ein neuer Blickwinkel öffnet manchmal ganz neue Türen.

Was ist eigentlich Psychoanalyse?

Ich möchte hier etwas über die – wie ich finde – faszinierende Welt der Psychoanalyse schreiben.

Ich habe selbst eine psychoanalytische Selbsterfahrung über fast zwei Jahre erleben dürfen, welche mein Leben nachhaltig bereichert hat.

Der Versuch einer Definition

Die Psychoanalyse ist das älteste psychotherapeutische Verfahren, aber auch eine Methode zur Selbsterfahrung sowie eine Kultur- und Gesellschaftstheorie. Die Psychoanalyse geht davon aus, dass es neben dem Bewusstsein vor allem das Unbewusste ist, welches unser Verhalten steuert. Durch eine Psychoanalyse kann das bisher Unbewusste – ich würde es als das bisher Unverstandene bezeichnen – ins Bewusstsein treten. Durch dieses Bewusstmachen wird bisher nicht Verstandenes in einen Zusammenhang eingebettet und erhält dadurch einen Sinn. Dadurch entsteht Klarheit im Denken, Fühlen und Handeln.

In der Psychoanalyse geht man davon aus, dass jeder Mensch ein Über-Ich, Es und Ich hat. Das Über-Ich steht für die teilweise bewussten gesellschaftlichen Normen sowie den Anforderungen aus der Erziehung durch frühe Bezugspersonen, meist die eigenen Eltern. Das Es ist unbewusst und repräsentiert die Triebe/Instinkte, dessen Wünsche auf sofortige Erfüllung abzielen. Oft kommt es im Ich zu einem Konflikt, wenn das Ausleben von Trieben aus dem Es vom Über-Ich verboten werden. In solch einem Fall werden sogenannte Abwehrmechanismen notwendig, z.B. die Verdrängung, Idealisierung, Abwertung, Regression (Zurückfallen auf frühere Entwicklungsstufen). Es gibt noch viele weitere Abwehrmechanismen.

Erkundung der eigenen Gefühlswelt

Das Vorgenannte mag erstmal recht technisch klingen. Es stellt aber nur die theoretische Basis dar. Die praktische Psychoanalyse war für mich äußerst bodenständig und lebensnah.

In meiner Wahrnehmung geht es bei der Psychoanalyse vor allem darum, die eigene Gefühlswelt zu erforschen. Gefühle erstmal zuzulassen, zu fühlen und Worte dafür zu finden kann eine große Herausforderung sein. Zudem braucht es viel Zeit und Geduld mit sich selbst.

In der Psychoanalyse wird aufgrund des wenig Greifbaren im Unbewussten oft mit Metaphern, Symbolen und der Traumdeutung gearbeitet, was mir sehr gefallen hat. Anhand von Bildern und Geschichten lassen sich Zusammenhänge viel leichter verstehen.

Jede Psychoanalyse verläuft anders und ist genauso individuell und vielfältig wie wir Menschen auch.

Hierzu gibt es einen sehr guten Podcast – „Rätsel des Unbewussten“, um tiefer in die Welt der Psychoanalyse einzutauchen. Hier findet Ihr den Link dazu:

Podcast-Link zu „Rätsel des Unbewussten“