Gefühle – Richtig oder falsch?

Wir alle haben Emotionen und Gefühle. Emotionen sind dabei eher kurzfristige, stärkere Empfindungen, während Gefühle eher längerfristig sind und intensiver oder flacher sein können.

Wenn wir Emotionen und Gefühle mit etwas innerem Abstand betrachten, dann drücken sich diese Empfindungen aus in Gedanken und Vorgängen im Körper. Jeder Mensch spürt sie auf eine andere Weise, und jeder hat andere damit einhergehende Gedanken.

Sind Gefühle und Emotionen nun falsch oder richtig?

Alle diese Empfindungen sind erst einmal richtig, da sie empfunden und ausgedrückt werden. Wenn wir sagen, dass eine Emotion oder Gefühl falsch ist, würden wir einerseits jemanden bewerten und andererseits denjenigen auch seine Wahrnehmung absprechen. Damit hat jede Emotion und jedes Gefühl seine Berechtigung.

Die Frage ist jedoch, welche Emotionen und Gefühle uns gut tun. Und hier wird es komplexer, da viele unserer heutigen Gedanken und Gefühle nicht eine Reaktion sind auf das, was gerade geschieht, sondern eine Wiederholung darstellen von Situationen aus der Vergangenheit. Hier lohnt es sich, hinzuschauen, was uns die Emotion oder das Gefühl signalisieren möchte. Denn jede Empfindung ist ein Signal, wie Hunger oder Durst es auch sind. Sie wollen uns motivieren, nach unseren Bedürfnissen zu schauen.

Wenn wir unsere Empfindungen hinterfragen und daraus Handlungen für unser Leben kreieren, dann können wir uns ein Leben gestalten, das unseren Maßstäben entspricht. Denn hinter jeder Emotion und hinter jedem Gefühl steht letztlich ein Bedürfnis, welches gesehen werden will.

Die heilsame Wahrheit

Die Wahrheit zu erfahren, nicht nur im Kopf, sondern das Verstehen im Herzen, kann sehr schmerzhaft sein.

Zu erkennen, dass man sich lange etwas vorgemacht hat, Menschen in der eigenen Wahrnehmung verzerrt wahrgenommen hat, weil man einfach ertragen wollte oder konnte, sie zu sehen, wie sie wirklich sind, tut weh.

Doch Unordnung verschwindet nicht, wenn man einfach nur die Tür schließt.

Die große Kraft der Wahrheit liegt in der Erkenntnis, die sie bereithält. Denn diese Gewissheit kann vorher bestehende Gefühle überlagern und letztlich überschreiben.

Letztendlich ist es nicht das Ende der Welt, von anderen Menschen enttäuscht oder verletzt zu werden. Denn Enttäuschungen sind bloß ein Wegnehmen einer Illusion.

Und in einem aufgeräumten Zimmer lebt es sich auch viel schöner.

Auf dem zerstörten Boden kann dann nach einer Zeit der Regeneration neue fruchtbare Erde entstehen. Es schafft Platz für ganz neue Möglichkeiten.

Bemerkenswert

Wie wir uns selbst annehmen

Wenn wir Lebendigkeit in unserem Leben zulassen, dann bedeutet es, dass wir allen unseren Gefühlen einen Raum geben.

Gefühle kommen und gehen. Wir können sie betrachten wie Wellen auf dem Meer. Mal sind Gefühle stärker, dann sind die Wellen höher, und mal niedriger, dann sind die Wellen flacher. Doch kein Gefühl bleibt für immer. Daher tut es uns gut, Gefühle zu fühlen und ihnen Raum zu geben, in dem Wissen, dass sie vorbei gehen werden.

Es kostet uns sehr viel Kraft, wenn wir aufkommende Gefühle unterdrücken wollen, da wir dann sozusagen gegen sie ankämpfen. Das kostet doppelt Energie, da die aufkommenden Gefühle bereits Energie verbrauchen und das Unterdrücken ebenfalls Energie kostet.

Gefühlen den Raum geben, ohne sich in ihnen zu verlieren, bedeutet, dass wir uns selbst annehmen. Wir können uns jederzeit bedingungslos annehmen. So können wir milde auf uns selbst und auf andere blicken und das Leben gelassener gestalten.

Auf diese Weise laden wir automatisch Lebendigkeit in unser Leben ein. Denn wahrhaftes Leben beinhaltet die gesamte Palette an Gefühlen. Wir sollten uns daher erlauben, diese Gefühle zu fühlen und zum Ausdruck zu bringen. Die Erlaubnis dafür können nur wir selbst uns geben.

Empathie statt Sympathie

Wenn wir jemanden sympathisch finden, dann mögen wir diesen Menschen. Wir freuen uns, wenn es dem Menschen gut geht, und wir leiden mit, wenn es ihm oder ihr nicht gut geht. Wir fühlen also die gleichen Gefühle, wie unser geliebter Mensch.

Sympathie bringt jedoch für uns mit sich, dass wir eben auch mit leiden. Das Problem ist jedoch, dass wir nur begrenzten Einfluss haben auf das Gefühlsleben von anderen Menschen. Das bedeutet, dass das Mitleiden weder uns selbst noch, noch unseren geliebten Menschen weiter bringt.

Daher macht es mehr Sinn, wenn wir uns in Empathie üben. Empathie bedeutet, dass wir uns in den anderen hineinversetzen können, ohne seine Gefühle zu fühlen.

Auf diese Weise bleiben wir unabhängiger und mehr bei uns, und wir können dem anderen auch viel besser weiter helfen, wenn es ihm oder ihr gerade nicht gut geht. Dann Empathie führt dazu, dass wir nicht so sehr von eigenen Gefühlen „vernebelt“ werden. So bleibt viel Raum für Kreativität und Lösungen.

Über Projektionen

Wir alle sehen manchmal etwas in anderen Menschen, was eigentlich in uns ist. In solchen Momenten projizieren wir.

Es kann vorkommen, dass wir unangenehme oder unerwünschte Gefühle bei anderen sehen. Es kann aber auch sein, dass wir positives in anderen sehen, was wir bei uns selbst nicht wahrnehmen.

Das Problem bei Projektionen ist, dass wir nicht bei uns selbst sind, sondern auf andere schauen. Dadurch machen wir uns potenziell abhängig von anderen und deren Verhalten.

Versuch einmal wahrzunehmen, was Du in anderen zu sehen glaubst. Haben andere vermeintlich etwas, was Du nicht hast? Oder lehnst Du etwas in anderen ab? Was wäre, wenn Du Dir erlaubst, diese Gefühle bei Dir selbst wahrzunehmen und zu akzeptieren, dass sie zu Dir gehören?

Wenn wir Projektionen lösen, öffnet sich ein neues, unabhängigeres Blickfeld für die Welt. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, wie wir unser Leben gestalten können.

Mit der Energie gehen

Wenn wir erschöpft sind oder uns ausgebracht fühlen, dann hat das immer mit unserer Energie zu tun.

Wir alle haben 100% Energie. Jeder und jede von uns hat ein unterschiedliches Level an Energie. Manche von uns haben mehr Energie als andere.

Wenn wir dauerhaft mehr Energie verlieren als wir gewinnen, fühlen wir uns erschöpft. Unser Akku ist leer.

Daher ist es entscheidend, dass wir herausfinden, was oder wer uns Energie gibt, und wer oder was uns Energie nimmt.

Energie geben tut uns alles, was uns gut tut. Das können Aktivitäten ganz verschiedener Art sein, aber auch ein gutes Gespräch.

Wir können uns auch selbst Energie geben, durch Erinnerungen an schöne Erlebnisse oder liebe Menschen. Diese Gedanken stärken uns, wenn es uns mal nicht so gut geht. Wir können auch auf schöne Erlebnisse hoffen, ohne zu viel zu erwarten. Wir können nie genau wissen, was passieren wird, aber es tut uns gut, optimistisch zu sein.

Und was uns immer Energie gibt, ist, das Leben nicht so ernst zu nehmen. Humor hilft in allen Lebenslagen!

Letztendlich bestimmt unsere Einstellung langfristig über unser Energielevel. Je offener wir sind, desto eher finden wir Energiequellen.

Wir können uns gar nicht dauerhaft erschöpfen, wenn wir dranbleiben und nach Menschen und Aktivitäten schauen, die uns immer wieder Energie geben.

Freiheit entsteht aus Unabhängigkeit

Es kann uns passieren in unserem Leben, dass wir uns abhängig machen. Dies kann passieren in Bezug auf andere Menschen – Mitglieder der Familie, Freunde, Partner usw. – oder den Arbeitgeber, oder auch unsere Wohnung oder andere Dinge.

Abhängig sind wir dann, wenn wir uns angewiesen fühlen auf die Versorgung. Und dieses Erfüllen unserer Bedürfnisse delegieren wir dadurch an etwas oder jemandem im Außen. Dazu sei aber gesagt, dass uns jemand oder etwas im Außen nie ganz erfüllen können, da niemand uns so gut kennen kann, wie wir uns selbst.

Wir können uns freuen, wenn wir freundliche und schöne Begegnungen mit anderen Menschen haben. Wir können uns auch freuen über ein eigenes Auto, unsere Wohnung oder andere Dinge. Doch wir sollten nie davon ausgehen, dass diese Menschen oder Dinge selbstverständlich sind und unsere Bedürfnisse erfüllen.

Wir können jederzeit bei uns selbst beginnen und uns fragen, was wir eigentlich brauchen. Wie möchte ich leben? Was ist mir wichtig?

Auf diese Weise machen wir uns unabhängig und Freiheit kann entstehen.

Das unperfekte Leben macht uns spontan

Oft verläuft unser Leben anders als wir es geplant hatten. Menschen verhalten sich anders als erwartet, Pläne verändern sich oder lösen sich auf.

Dabei kann es uns helfen, wenn wir uns mehr und mehr darin üben, Vorstellungen, Ideen und Wünsche loszulassen. Denn fixe Ideen machen uns innerlich abhängig von einem bestimmten Endzustand. Das engt uns mental ein und macht unfrei.

Viel schöner fühlt es sich hingegen an, wenn wir uns gänzlich von Vorstellungen beginnen zu lösen oder uns mehrere mögliche Szenarien vorstellen.

Oft haben unsere Vorstellungen mit anderen Menschen zu tun. Alle Menschen haben verschiedene Facetten, welche wir im Laufe von Begegnungen kennen lernen. Und genau diese Facetten machen Beziehungen so spannend, aber auch unvorhersehbar.

Es ist jedoch mit anderen Menschen und in unserem Leben generell so, dass immer etwas passiert. So, wie es in natürlichen Ökosystemen keinen Stillstand gibt, sondern stetige Veränderung, ist es auch mit unserem Körper, unserer Seele und unseren Beziehungen so, dass diese sich ständig verändern. Es passiert immer etwas.

Wenn wir uns der Veränderung öffnen, gelingt uns das am ehesten, wenn wir spontan sind. Das können wir erreichen durch das Loslassen von fixen Ideen und wünschen. Durch das Loslassen entsteht eine positive Leere und so ein Raum, in dem Leben geschehen kann.

Leichtigkeit bringt Lebensfreude

Das Leben wird leicht, wenn wir es nicht schwer nehmen. Was auch passieren mag, wir können stets entscheiden, wie es uns damit geht. Lasten können wir ablegen, wie einen schweren Rucksack, wenn wir ihn nicht mehr tragen wollen.

Wenn wir lange grübeln über alles, was war oder nicht war, was hätte sein können, dann nehmen wir unsere Vergangenheit und uns selbst vielleicht zu ernst. Erinnerungen sind keine Tatsachen, sondern sie sind verändert durch begleitende Gedanken, Emotionen und Gefühle. Somit ist es immer subjektiv, was wir erleben und wie wir uns erinnern.

Leicht wird es, wenn wir es leicht nehmen. Das bringt freudige Gedanken und Gefühle, Lachen und neue Ideen.

Vielleicht hat alles, was wir erleben durften, einen tieferen Sinn. Der Sinn erschließt sich uns vielleicht nicht unmittelbar, aber doch im Laufe der Zeit.

Und mit leichten Gedanken, freudigen Gefühlen und einem Lebenssinn stellt sich auch die Lebensfreude dauerhaft ein!

Erkenntnis verändert Gefühle

Manchmal kommen wir in ganz starke Gefühle, die uns wie eine Welle mitnehmen. Dann kann es schnell passieren, dass wir glauben, die Welle könnte uns überrollen und überwältigen. Wir drohen zu ertrinken.

Doch wie wir bei Wellen am Strand auch beobachten können, kann man von einer Welle zwar stark mitgenommen werden, aber nicht ertrinken. Wellen kommen und Wellen gehen.

Genauso ist es mit unseren Gefühlen. Gefühle kommen und Gefühle gehen. Wenn ein Gefühl genährt wird, dann wird es stärker. Umgekehrt ist es genauso: Wenn ein Gefühl dauerhaft nicht genährt wird, vergeht es. In solch einem Fall überlagert die Erkenntnis das bisherige Gefühl, und das Gefühl verändert sich oder vergeht gänzlich.

Wir selbst bestimmen über unsere Gefühle

Wir selbst sind der Herr oder die Herrin über unsere Gefühle. Alle Gefühle kommen aus uns, da wir allein sie fühlen und niemand sonst. Somit können wir auch beeinflussen, wie wir mit Gefühlen umgehen.

Wenn wir beginnen, uns selbst und unsere Gefühle zu beobachten, können wir lernen zu entscheiden, ob wir einem Gefühl folgen oder nicht. Es gibt hier kein richtig oder falsch, nur das Fühlen im Hier und Jetzt. Wir allein entscheiden, wie es uns geht. Gefühle zeigen uns einen möglichen Weg zum Handeln, den nur wir allein gehen können. Und das ist das Schöne: Wir haben die Klarheit und die Verantwortung für uns selbst. Daraus können wir uns ein Leben gestalten, mit dem es uns dauerhaft gut geht.