Verzweiflung birgt Hoffnung

Manchmal haben wir das Gefühl, dass es nicht mehr weiter geht. Nichts bewegt sich, wir fühlen uns wie gefangen in uns selbst. Oder noch schlimmer, wir haben vielleicht gar kein Gefühl mehr, ein Gefühl der Gefühllosigkeit. Es gibt ein Entkommen aus dem eigenen Selbst. Wir haben uns schließlich immer mit dabei, egal wohin wir gehen.

Verzweiflung bringt uns nahe an den mentalen Abgrund

Dann kann sich leicht ein Gefühl von Verzweiflung einstellen, da es gefühlt keinen Horizont mehr gibt, keine Perspektive, keine Hoffnung. 

Verzweiflung ist jedoch, wie alles andere auch, „nur“ ein Gefühl. Und das bedeutet zum Einen, dass es vorbei geht (auch wenn es wiederkommen mag), und zum Anderen auch, dass wir eine gewisse Steuerungsmöglichkeit haben. Denn wir können unsere Gefühle verändern. Sie zuzulassen ist wichtig, aber dann können wir etwas damit anfangen.

Von der Verzweiflung ins Leben

Schauen wir auf die vermeintliche Hoffnungslosigkeit. Es gibt immer Möglichkeiten, Ideen, Lösungen. Wir müssen sie nur sehen, und Gelegenheiten lernen zu ergreifen.

Dann kann sich die Verzweiflung „wieder schlafen gehen“, denn wie jedes andere Gefühl auch, oder jeder mentale Zustand, will uns etwas mitteilen. Wenn wir dahin schauen, können wir verändern. So werden wir aktiv und können unser Leben gestalten. Denn letztlich will auch die Verzweiflung uns nur den Weg ins Leben anzeigen.

Die Power der Trauer

Traurigkeit kann ein äußerst schmerzliches Gefühl sein. Daher wehren wir uns innerlich dagegen, weil wir wissen, dass es es sehr unangenehm werden kann.

Es lohnt sich dennoch, wenn wir Trauer zulassen. Wenn wir traurig sind und weinen, scheint es manchmal, als wenn die ganze Welt um uns herum stehen bleibt. Es ist ein Moment des tiefen Innehaltens. Diese Momente des tiefen Innehaltens erlauben eine Pause im betriebsamen Leben und machen es uns daher möglich, den ganzen Schmerz des Verlusts, der Trennung, des Abschieds zu spüren.

Dem Schmerz erlauben, da zu sein

Das klingt jetzt erstmal nicht sehr erstrebenswert, da es ein schmerzliches Gefühl ist. Der zentrale Punkt ist aber, dass durch das ganz bewusste Zulassen der Traurigkeit es möglich wird, diese zu überwinden. Denn nach dem Innehalten ergeben sich neue Möglichkeiten und Ideen. Kein Gefühl ereilt uns einfach aus heiterem Himmel. Es gibt dafür immer eine Ursache, die es zu entdecken gilt.

Vielleicht will uns die Traurigkeit einfach nur das Loslassen ermöglichen, damit wir im Leben voranschreiten und uns weiter entwickeln können. Und so zu neuer Lebensfreude kommen. Dann kann sich die Trauer sozusagen „wieder schlafen legen“, da sie ihre Aufgabe erfüllt hat.

Das Leben ist ein Moment

Unser ganzes Leben ist, wenn wir es mal auf eine neue Weise betrachten, eine Abfolge von ganz vielen einzelnen Momenten. Manchmal vergeht die „wie im Flug“, ein anderes Mal zieht sich die Zeit zäh und es wird „lang-weilig“. 

Für Tiere existiert kein Verständnis für Zeit und die Begrenztheit des eigenen Lebens. Das macht es für Tiere so einfach, den Moment und das Leben an sich einfach zu leben, zu genießen und zu tun, was gerade zu tun ist. 

Denken vernebelt uns den Moment 

Bei uns Menschen gibt es den großen Bereich in unserem Gehirn, welcher noch relativ jung ist – evolutionär betrachtet – die Grosshirnrinde. Die macht es uns möglich, abstrakter zu denken, zu planen und macht auch das Wissen um die Begrenztheit unseres eigenen Lebens möglich. Und hier wird es komplex. Denn wir Menschen haben dadurch viele Gedanken und Gefühle, die wir mit Hilfe dieses großen Bewusstseins ständig neu balancieren. 

Um wieder im Moment zu leben, einfach im Hier und Jetzt zu sein, braucht es uns etwas Übung, da wir zumindest in den westlichen Industriegesellschaften dazu neigen, sehr viel im Kopf und mit dem Denken unterwegs zu sein. Diese starke Kognitionen hält uns jedoch von eben jenen Momenten manchmal ab, denn in der Zeit, wo wir denken, planen, grübeln, haben wir wenig Aufmerksamkeit für andere Dinge. 

Die Seele hat keine Zeit 

Im Seelischen gibt es aber zum Glück keine Zeit. Das kennen wir, wenn wir mit lieben Menschen länger nicht gesprochen haben und beim Kontakt dann trotzdem das Gefühl haben, als hätten wir uns „erst gestern“ gesprochen. Und auch wenn wir manchmal aus der Spirale des Verstandes, Kopf, Kognitionen, Planen und Denken generell gefühlt kaum herauskommen, so ist es doch so, dass wir immer wieder dran bleiben können und dem Moment mehr Aufmerksamkeit schenken können. So können wir mehr und mehr der vielen Momente, die das Leben bereithält, einfach genießen ohne nachzudenken.

Wir müssen insgesamt aktiver umgehen mit unserem großen Bewusstsein, aber der Vorteil ist, dass wir dadurch mehr Entscheidungsfreiheit haben als unsere tierischen Verwandten. So können wir unsere Aufmerksamkeit auf Dauer verändern und damit auch unser Bewusstsein. Und auf diese Weise kann sich unser ganzes Leben verändern. 

Denn Leben ist nicht das, was passiert während wir Pläne machen, sondern Leben ist oft spontan, unvorhersehbar und ungewiss, und besteht letztendlich nur aus Momenten, die aufeinander folgen. Und genau in dieser Betrachtung liegt eine große Kraft.

Eine starke Identität lohnt sich

Unsere Identität ist einmalig. Es gibt keinen anderen Menschen auf dieser Welt, welcher so ist wie wir. Wir sind ein Unikat. Niemand hat die gleiche Geschichte wie wir. Unser Denken, Fühlen, Erleben, unsere Wahrnehmung und unser Verhalten sind nie deckungsgleich, auch wenn wir uns einigen Menschen näher fühlen als anderen.

Identität macht Authentizität erst möglich

Identität macht es uns erst möglich, Position zu beziehen und eine eigene Meinung zu entwickeln. Gleichzeitig ermöglicht sie uns, geistig flexibel zu sein und auf Basis von Argumenten zu diskutieren. Identität grenzt uns ab von anderen, macht aber auch ein „Wir“ möglich. Das Ich bleibt also im Wir erhalten und verliert sich nicht im Kollektiv, da uns eine starke Identität vor dem Ich-Verlust schützt. Das gilt vor allem für enge Partnerschaften oder Wohnen in Gemeinschaft. Das alles macht uns authentisch in unserem Handeln.

Identität und Konflikte

Identität bedeutet aber auch, in Konflikte zu geraten, da eine eigene Position es immer auch mit sich bringt, dass es Menschen gibt, die eine andere Meinung haben. Je stärker die Identität, umso klarer sind die eigenen Grenzen und können verteidigt werden. Und nicht nur das, unsere Identität macht es auch möglich, auf der Basis der Begegnung mit uns selbst in Begegnung mit Menschen zu gehen. Daraus entwickeln sich dann tiefe Beziehungen und echte Begegnungen. Diese führen uns zu neuen Einblicken, Erfahrungen und Perspektiven sowieso Austausch und ermöglichen uns Zufriedenheit, Ausgleich und Weiterentwicklung.

Konflikte, Diskussionen und weitere können zwar fordernd sein, sind aber wichtig für gesunde Beziehungen. Reibungen können Beziehungen verändern und weiter entwickeln. Es gibt keine perfekte Harmonie auf dieser Welt und symbiotische Beziehungen mit einem Quasi-Verschmelzen zweier Menschen ist wenig erstrebenswert, da der Preis darin besteht, sein eigenes Ich aufzugeben. Und dieser Preis ist ziemlich hoch, da man dadurch sein wahres Selbst verleugnet.

Es lohnt sich also, „bei sich zu bleiben“.