Neid als Triebfeder

Neid kann ein Gefühl mit großer Tragweite sein. Wenn wir neidisch sind, dann schauen wir auf das, was andere haben, was aber wir selbst nicht haben. Das können Dinge sein, aber auch menschliche Beziehungen. Wir können potentiell auf alles neidisch sein.

Wenn wir neidisch sind, dann glauben wir, dass jemand anderes etwas Erstrebenswertes hat. Denn wenn es nicht erstrebenswert wäre, würden wir es nicht weiter beachten und wären daher nicht neidisch.

Das Problem des Neids

Schwierig wird es, wenn wir immer wieder neidisch sind wegen ähnlicher Dinge. Denn in solch einem Fall geraten wir sozusagen immer wieder in die gleiche Gefühlsspirale. Das ändert jedoch nicht viel. Wir kommen immer wieder in die gleichen Situationen oder begeben uns in die gleichen Beziehungen und wundern uns, dass wir immer wieder neidisch sind. Wenn wir jedoch immer wieder das Gleiche tun, wird es immer wieder zum gleichen Ergebnis kommen.

Neid kann sich auf unsere Beziehungen negativ auswirken, da sie unseren Verstand vernebelt. Das führt dazu, dass wir nur noch selektiv das Beneidete wahrnehmen. Das kann zu einer geistigen Fixierung führen, welche unser immer wieder auf das Beneidete schauen lässt. Wenn wir dann noch unseren Neid kommunizieren, kann dies unsere Beziehungen belasten. Doch am meisten belasten wir damit letztlich uns selbst. Denn eine selektive Wahrnehmung hilft uns nicht heraus aus der Neidspirale.

Neid als Triebfeder

Wir können unseren Neid nutzen, um zu schauen, was sich wirklich an Bedürfnis unsererseits hinter diesem Gefühl verbirgt. Ist es vielleicht eine Unzufriedenheit mit uns selbst? Sind wir zu hart zu uns? Und wollen wir das Beneidete wirklich, oder handelt es sich dabei vielleicht mehr um ein Idealisieren? Ist es bloß die Vorstellung, die uns antreibt, die aber gar nicht realistisch ist?

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, unseren Neid genauer zu untersuchen. Wenn wir schauen, was wir wirklich wollen, können wir den Neid überwinden. Denn wenn das Beneidete für uns nicht erreichbar ist, macht es wenig Sinn, dem Unerreichbaren weiterhin geistig zu folgen durch ein neidisches Gefühl. Hilfreich ist es hingegen, dass wir uns neue Ziele suchen. Dies verändert unseren Fokus der Aufmerksamkeit. Wenn wir dann diesem neuen Ziel folgen, werden wir bemerken, dass sich der Neid verflüchtigt und wir ihn nicht mehr spüren. Dann können wir die Energie, die wir nicht mehr auf den Neid verwenden, für unsere neuen Ziele einsetzen.

Empathie bringt uns voran

Empathie ist die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen. Dies macht uns zu sozialen Wesen und führt zu einem kooperativen Miteinander. Wenn wir empathisch sind, heißt das nicht, dass wir alle Emotionen unseres Gegenübers nachfühlen müssen, aber wir können die Gefühle und das, was unsere Mitmenschen bewegt, nachvollziehen und entsprechend reagieren. Empathie ist die Basis einer gelingenden Kommunikation und verbessert damit unsere Beziehungen generell oder erhält sie aufrecht.

Empathie ist eine tolle Fähigkeit, welche uns mit anderen verbindet. Eng damit verbunden ist die Fähigkeit, sich in sich selbst einzufühlen und über unser eigenes Erleben und Verhalten nachzudenken. Das nennen wir Selbstreflexion.

Hinzu kommt, dass Empathie uns resilienter macht, da wir uns in einem sozialen Netzwerk sicher & wohl fühlen können.

Empathie und Selbstreflexion hat nicht jeder

Leider haben manche Menschen wenig Empathie und kaum Selbstreflexion. Dies äußert sich zum Beispiel in egozentriertem, also sich selbst ständig in den Mittelpunkt rückenden Verhalten, oder in allgemein rücksichtslosem Verhalten. Diese Menschen können meist nicht gut zuhören und es kommt oft nicht zu Dialogen, sondern diese Menschen führen Monologe vor anderen. Eine Diskussion mit sachlichem Austausch von Argumenten ist kaum möglich. Sie sind oft nachtragend und sind schnell beleidigt, da sie kaum kritikfähig sind. Daher kommt es schnell zu Konflikten oder unangenehmen Situationen. Es ist schwierig, mit diesen Menschen echte zwischenmenschliche Begegnungen zu haben, da sie selbst mit sich selbst kaum in Kontakt stehen. Daher nehmen uns diese Menschen in der Begegnung oft mehr Energie als sie uns geben, wenn wir nicht aufpassen. Wir bezeichnen sie daher auch als schwierig und anstrengend oder unflexibel.

Ich glaube, dass diese Menschen in ihrem Leben wenig Möglichkeiten hatten, Empathie zu entwickeln. Dies mag oft auf ihre eigene Geschichte zurückgehen, da Kinder erst ab dem Vorschulalter Empathie entwickeln und um diese Fähigkeit weiter zu kultivieren braucht es ein Umfeld, welches das ermöglicht. Dies soll allerdings keine Entschuldigung sein für das Fehlverhalten im Erwachsenenalter, doch vielleicht lässt es uns mit etwas Milde auf diese Menschen schauen.

Empathie mit uns selbst

Im Umgang mit anderen Menschen müssen wir immer zuallererst darauf schauen, dass es uns selbst gut geht. Dies ist keine Egozentrik, sondern gesunder Egoismus. Wenn wir für uns selbst gut sorgen, dann können wir auch empathisch mit anderen Menschen umgehen.

Doch wie gehen wir konstruktiv mit Menschen um, die so ganz anders denken als wir, aber leider nicht auf die empathische Weise kommunizieren und leben, wie wir es tun?

Der Umgang mit „schwierigen“ Menschen

Ich glaube, dass es mit fast jedem Menschen möglich ist, eine Schnittstelle, ein Thema, eine Situation, eine Aktion, ein Umfeld der Begegnung zu finden, welches es für uns – wenn nicht angenehm, dann zumindest neutral – diese Begegnung gestalten lässt.

Vielleicht gehen wir einfach mal kreativ, ohne Vorurteile, ohne Vorstellungen über „richtiges“ Verhalten und unbelastet an den Menschen heran. Nutzen wir doch unsere Empathie als Vorteil, um den zwischenmenschlichen Kontakt auf gewinnbringende (oder zumindest neutrale) Weise zu gestalten.

Wir können dies als kleine Herausforderung betrachten, welche es zu meistern gilt. Und vielleicht sind wir dann überrascht, was sich alles Neues ergeben kann. Ein neuer Blickwinkel öffnet manchmal ganz neue Türen.

Können wir uns „selbst finden“?

Es gibt Menschen, die auf lange Wanderungen gehen, um „sich selbst zu finden“. Zu mir sagte auch mal eine Bekannte, ob ich alleine wandern gehe, um mich selbst zu finden. Damals sagte ich ja dazu.

Wen oder was wollen wir finden?

Heute sehe ich das anders. Was genau wollen wir eigentlich finden? Etwa ab der Pubertät, so die Entwicklungspsychologen, starten wir damit, unsere eigene Identität nach und nach zu definieren. Wir identifizieren uns mit Idolen, Prominenten, Bands usw. und oft auch mit unseren Freunden. Wenn wir uns also einen idealtypischen Verlauf der Entwicklung eines Menschen anschauen, müssten wir uns alle in der Pubertät „selbst gefunden haben“, um dann mit eigener Identität ins Leben zu starten. So viel zur theoretischen Betrachtung, welche leider außer Acht lässt, dass jeder Mensch ein Individuum ist und somit kein weiterer Mensch so ist man selbst. Dies macht es nicht leicht, idealtypische Verläufe zu definieren. Die theoretische Betrachtung hilft für den Ansatz eines Verständnisses und sicher auch für wissenschaftliche Untersuchungen, doch sie lässt wenig flexible Betrachtung zu.

Statt „selbst finden“ besser einfach leben

Ich glaube, dass Selbstfindung eine zu starre Betrachtung des Lebens ist. Denn für mich beinhaltet die Selbstfindung die Annahme, dass wenn wir irgendwann uns selbst gefunden haben, dann sozusagen „fertig“ sind. Doch fertig mit was? Das Leben ist ein Lernprozess vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens. Jeder und jede kann selbst entscheiden, wie viel er oder sie lernen möchte. Damit ist es aber, so finde ich, auch ausgeschlossen, dass wir irgendwann uns selbst finden und dann, ja was dann? Laufen wir dann wie beim Marathon oder Iron Man in eine Ziellinie ein und setzen danach für immer aufs Sofa?

Das Leben ist äußerst dynamisch und immer in Bewegung. Was wir vielleicht eher sagen können, ist, dass wir im Laufe des Lebens besser und besser wissen, wer oder was uns gut tut und was nicht. Wir schauen, was wir mögen, wie wir uns wohlfühlen und mit wem.

Wenn wir das regelmäßig machen, brauchen wir nichts mehr finden, sondern wir können uns auf das Leben einlassen und sozusagen mit dem Fluss schwimmen. Ohne anzukommen.

Resilienz – Unsere innere Stärke

Wir alle tragen Energien in uns, welche wir auf ganz verschiedene Weise nutzen können. Manche Menschen haben mehr Energie, andere weniger. Aber wir alle haben Energien. Wir können unsere Energien einsetzen, um unser Leben zu gestalten. Unsere Gedanken und Gefühle begleiten uns dabei und sie können uns Energie geben oder weg nehmen.

Energiefresser und Energiespender

Manche beschreiben andere Menschen als Energiefresser oder Energiespender. Sie glauben also, dass Menschen einem die eigene Energie weg nehmen oder Energie schenken. Das ist sehr allgemeine Betrachtung, die wenig Spielraum für Erweiterungen lässt. Ich glaube, dass diese Betrachtung nicht weit genug geht.

Je nachdem, was in uns selbst vorgeht, können andere Menschen uns Energien nehmen oder geben. Es ist eine Frage, wie wir einander begegnen. Und daher kommt es auf die Kommunikation an, und auf unsere Vorstellungen und Erwartungen. Wir können nicht mit jedem Menschen über alles reden. Wenn wir das jedoch versuchen, verzetteln wir uns innerlich oder verlieren uns sogar. Es kommt daher darauf an, welchen Kontakt wir zu uns selbst haben.

Wir suchen Resonanz

Ein Problem tritt dann auf, wenn unsere Energie nicht auf Resonanz trifft. Das betrifft vor allem zwischenmenschliche Beziehungen. Oder anders gesprochen, wenn unsere Umwelt nicht reagiert auf unsere Ideen, Gedanken oder Anregungen. Wenn dies auf Dauer passiert, dann verlieren wir immer mehr Energie. Resonanz bedeutet ein Geben des Anderen, welchem wir zuvor gegeben haben. Es handelt sich also um ein Gleichgewicht. Wenn wir jedoch dauerhaft mehr geben als nehmen, dann kommen wir aus dem Gleichgewicht und verlieren unsere Energie.

Die Natur als Vorbild

In der Natur strebt alles zum Gleichgewicht. In einem funktionierenden Ökosystem gibt es ein Geben und Nehmen. Es kommt immer wieder zum Ausgleich.

Daher sollten wir uns das Beispiel der Natur nehmen, um unsere Beziehungen zu gestalten. Kooperation bedeutet, dass es ein Gleichgewicht zwischen geben und nehmen auf beiden Seiten gibt. Und das hält auch uns im Gleichgewicht und wir behalten unsere Energie.

Über den Nutzen der Angst

Angst ist ein sehr bedeutsames Gefühl. Sie bringt uns dazu, aufmerksam und vorsichtig zu sein. Sie schärft unsere Wahrnehmung und macht uns wach, da sie unser Leben schützen will. Daher können Ängste als sehr stark empfunden werden. Angst bindet daher auch große Energien und beinhaltet daher ein großes Potenzial.

Die Ängste unserer Vorfahren

Im Extremfall zeigt uns die Angst auf, dass es um unser Leben geht. Unsere Vorfahren haben Angst erlebt, wenn ihr Leben bedroht war. Sie lebten in überschaubaren kleinen Gruppen in der Wildnis und empfanden Angst zum Beispiel dann, wenn sie bei der Jagd auf den bekannten Säbelzahntiger trafen. Die Angst löste dann in ihnen aus, dass sie entweder kämpfen oder fliehen sollen. Sie führte auf jeden Fall dazu, etwas zu tun. Es ging hierbei um eine reale Lebensbedrohung, um Sein oder Nicht-Sein, Leben oder nicht Leben.

Die Ängste der Gegenwart

In der heutigen Zeit passiert es uns allerdings äußerst selten im Alltag, dass wir aufgrund von akuter Lebensgefahr kämpfen oder fliehen müssen. Heutige Ängste entstehen eher aus ganz anderen Gründen: Leben in eng bebauten Städten mit wenig Natur in der Nähe, ein Beruf mit unübersichtlichen Strukturen und zunehmend mehr Aufgaben und Anforderungen, Freizeitstress, täglicher Medienkonsum, man sieht täglich viele Menschen auf der Straße, dazu kommen viele Geräusche vom Verkehr, der Werbung, den Nachbarn, aber auch das eigene Smartphone bietet viele Möglichkeiten zur Reizüberflutung. Das Leben unserer Vorfahren war in vielerlei Hinsicht hart und unerbittlich, aber abseits des Säbelzahntigers oder ähnlichen Gefahren – denen sie nicht täglich ausgesetzt waren – gab es wenig Anlass zur Angst. Das Leben war im Allgemeinen recht übersichtlich.

Ich glaube, dass die komplexe Welt, in der wir heute leben, uns zunehmend überfordert. Daher ist es an uns, zu lernen, damit umzugehen. Unser Leben heute ist nicht mehr so übersichtlich, da wir ständig Informationen ausgesetzt sind sowie Entwicklungen – wie Digitalisierung und Globalisierung – die sich direkt auf unser Leben auswirken, auf die wir aber keinen Einfluss haben. Das Zuviel an Information und die Unübersichtlichkeit dieser Welt können dazu führen, dass wir das Gefühl haben, unser Leben nicht aktiv gestalten zu können. Ängste können dann entstehen, wenn wir uns fremdgesteuert fühlen und nicht sehen, wie wir eine Lösung finden können. Wir fühlen, dass wir die Kontrolle und den Überblick verlieren. Aus dieser Überforderung können Ängste entstehen. Diese können sich dann in Sorgen, Grübeln, Nervosität oder Anspannung äußern. Ich glaube, dass dies auf Dauer auch zu Stress führt.

Aus der Angst ins Leben

Angst hält uns auf Dauer vom Leben ab, weil sie uns hemmt und blockiert. Das ist ein sehr unangenehmes Gefühl. Das Gegenteil von Angst ist für mich der Mut. Wenn wir mutig handeln, können wir Ängste überwinden. Und können dann vielleicht feststellen, dass wir gar keine Angst mehr haben.

In einer unübersichtlichen Welt können wir uns zurechtfinden, wenn wir unser Leben einfacher gestalten.

Hier kommen dazu ein paar Ideen von mir:

  • Weniger Beziehungen zu Menschen, dafür echte Begegnungen
  • Weniger Reisen, dafür mehr genießen
  • Auch mal alleine sein und mit sich selbst Zeit verbringen
  • Das Smartphone ausschalten (vielleicht erstmal für ein paar Stunden)
  • Selbst etwas Kochen, anstatt es To-Go zu besorgen
  • Einen Kaffee in einem Café genießen, in einer echten Porzellantasse und gemütlicher Atmosphäre
  • Mit dem Gärtnern anfangen (geht auch auf der Fensterbank)
  • Meditieren lernen

Und für Fortgeschrittene: Einfach mal nichts tun.

Ein Plädoyer für „negative“ Gefühle

Wir kennen sie, vielleicht nicht alle, aber doch sicher einige davon: Wut, Angst, Trauer, Ekel, Scham, Schuld, Verachtung, Neid, Misstrauen, Reue, Verzweiflung, Einsamkeit, Leere, Enttäuschung, Sorge, Ungeduld.

Niemand würde wohl behaupten, dass diese Gefühle angenehm sind. Doch wenn wir Gefühle als „negativ“ bewerten und ihnen damit gedanklich einen Stempel aufdrücken, was passiert dann? Wir versuchen sie zu vermeiden. Und treten sie dennoch immer wieder in unser Bewusstsein (schon Sigmund Freud schrieb, dass solche Gefühle immer wiederkehren, und mit der Zeit auch auf hässlichere Weise), wollen wir sie schnellstens wieder loswerden.

In unserer zivilisierten und technisierten westlichen Gesellschaft ist es generell nicht einfach, über Gefühle zu reden, und erst recht gilt dies für die oben genannten unangenehmen Gefühle. Man braucht nur einen Blick in die bekannten Social-Media-Kanäle zu werfen, wo uns in den allermeisten Beiträgen eine Illusion der Positivität und des gelingenden Lebens gezeigt wird. Das mag auch durchaus der Wirklichkeit entsprechen, aber es ist nur ein Ausschnitt aus dem Leben von anderen.

Alle Gefühle haben ihre Berechtigung

Ich glaube, wenn wir dauerhaft unsere Gefühle unterdrücken, leugnen und nicht wahrhaben wollen, dann verleugnen wir uns auf Dauer selbst. Gefühle sind ein Ausdruck unserer Seele. Und wir als Menschen sind Wesen mit einem Körper, einer Seele und einem Geist. Und unseren Geist können wir nutzen, um konstruktiv mit Gefühlen umzugehen.

Wenn wir beginnen, unangenehme Gefühle näher zu betrachten, werden wir mit der Zeit feststellen, dass sie eine Berechtigung haben. Wir müssen diese Gefühle aber zulassen, so unangenehm dies auch erstmal sich anfühlen mag. Gefühle nerven uns nicht einfach, sie wollen uns hingegen etwas Wichtiges zeigen, uns auf etwas hinweisen, das uns gut tut. Unsere Seele will uns nichts Böses, sie will uns den Weg in ein gutes Leben aufzeigen.

Gefühle machen uns menschlich

Unangenehme Gefühle sind die zweite Seite der Medaille, welche uns zum Menschen macht. Wenn wir diese Gefühle genauer betrachten, gelangen wir zu den dahinter liegenden Bedürfnissen.

Die angenehmen und die unangenehmen Gefühle zeigen unsere Seele und machen uns zu einem ganzen Menschen. Es liegt letztlich auch immer an uns, mit unseren Gefühlen umzugehen. Gefühle sind nicht einfach da und überwältigen uns, sondern wir können unseren Geist zu Hilfe nehmen, um unser Leben zu gestalten. Auf diese Weise kommen wir zu neuer Lebensfreude.

Wut zur Veränderung

Ja, du hast richtig gelesen. Der Titel lautet Wut zur Veränderung, nicht Mut zur Veränderung. Die Wut ist, evolutionär betrachtet, eine nützliche Emotion, um uns vor der Gefahr zu schützen, nicht zu überleben. Wenn unsere Vorfahren zum Beispiel beim Jagen erfolglos blieben, konnte das existenzielle Konsequenzen haben. Denn ohne Beute kein Essen, und damit war das Überleben in Gefahr. Die dann aufkommende Wut sollte dazu veranlassen, etwas zu verändern, damit die Jagd wieder erfolgreich wird. Aus der Evolution heraus war Wut also nützlich, da sie unser Überleben sicherte.

Die Kraft der Wut

Wut hat daher eine immense Kraft und besitzt eine große Energie. Sie kann daher auch sehr zerstörerisch sein. Wenn wir der Wut freien Lauf lassen, dann bereuen wir später fast immer, was geschehen ist: Im schlimmsten Fall machen wir Dinge kaputt, oder wir lassen der Wut mit Worten freien Lauf und sagen Sätze wie: „Das wollte ich Dir immer schon mal sagen, Du (-hier etwas Beliebiges einfügen-)!“. Das tut und und unseren Beziehungen nicht gut. Die Wut kann sich sogar gegen uns selbst richten und wir können uns dabei verletzen.

Ein Signal für Veränderung

In Wut geraten wir also dann, wenn in unserem Leben Dinge nicht so laufen, wie wir es uns wünschen oder wie wir es geplant oder uns vorgestellt hatten. Zuerst entsteht vielleicht nur leichter Ärger, der sich später dann in Wut oder sogar Hass als ultimative Steigerung wandelt.

Die Wut will uns also zeigen, was gerade nicht gut für uns läuft. Sie ist ein Signal für eine Veränderung, die wir angehen sollen. Dieses Signal gilt zu erkennen und somit in Zukunft dafür zu sorgen, dass Wut seltener auftritt oder sogar ganz verschwindet.

Wie können wir Wut nutzen?

Wut ist ganz einfach betrachtet erstmal pure Energie. Und Energie an sich ist nichts Schlechtes, sondern im Gegenteil, etwas sehr Gutes! Denn nur mit viel Energie können wir unser Leben nach unseren Bedürfnissen gestalten. Das Problem mit Wut, der wir freien Lauf lassen, ist nur, dass die wertvolle Energie im Grunde verpufft. Wir können sie dann nicht mehr nutzen, weil uns das Freilassen der Wut erschöpft hat.

Daher ist es wichtig, dass wir nicht dem ersten Impuls folgen, der die Wut in uns ausgelöst hat. Je stärker sie ist, desto stärker ist auch der Impuls, jetzt sofort handeln zu müssen. Doch es gibt immer die Zeit zwischen dem Aufkommen der Wut und dem Handeln. Und diesen Zeitraum können wir nutzen. Wir horchen in uns hinein, was uns denn die Wut eigentlich sagen will. Ist es wirklich das hupende Auto vor dem Fenster, das uns aufregt? Oder der Nachbar, der zu laut Musik hört? Oder die Freundin oder der Freund, weil sie oder er mir noch nicht geantwortet hat auf meine Nachricht? Oder mein Partner, der nicht so reagiert hat, wie es mir gewünscht habe? Oder der Chef, welcher mir nicht das erwartete Feedback gegeben hat?

In uns hineinhorchen können wir auf ganz unterschiedliche Weisen machen. Wir können unseren Atem nutzen und konzentrieren uns darauf, atmen zum Beispiel 10 Mal tief ein und aus, bevor wir reagieren. Oder wir hören Naturgeräusche oder beruhigende Musik, das muss auch nicht lang sein, eine Minute reicht dafür häufig schon. Eine andere Möglichkeit ist auch ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft, etwas Sport, falls in der Situation möglich. Oder Ihr hört einfach nur in der Stille in Euch.

Es ist deine Wut

Die Wut hat erstmal mit uns selbst zu tun und mit unserer Wahrnehmung, nicht mit einem anderen Menschen oder der Umwelt, in der wir uns bewegen. Es kann uns viel widerfahren, doch es liegt an uns, wie wir reagieren. Daher liegt es an uns, unseren Fokus der Aufmerksamkeit zu verändern.

Vielleicht könnt Ihr die positive Erfahrung machen, dass Ihr nach dem Hineinhorchen auf neue Ideen kommt, was Ihr tun könnt, anstatt der Wut freien Lauf zu lassen. Es gibt so viele Gestaltungsmöglichkeiten für dieses Leben, für unsere Beziehungen, unseren Beruf und vieles mehr.

Nutzen wir unsere Möglichkeiten. Wir haben die Wahl. Wir haben vielleicht nicht immer die Wahl des Umfelds, doch wir haben die Wahl einer eigenen inneren Einstellung. Und die kann uns nichts und niemand nehmen. Die Veränderung liegt in jedem Menschen selbst, sie kommt von innen.

Es liegt an uns.