Was ist eigentlich Psychoanalyse?

Ich möchte hier etwas über die – wie ich finde – faszinierende Welt der Psychoanalyse schreiben.

Ich habe selbst eine psychoanalytische Selbsterfahrung über fast zwei Jahre erleben dürfen, welche mein Leben nachhaltig bereichert hat.

Der Versuch einer Definition

Die Psychoanalyse ist das älteste psychotherapeutische Verfahren, aber auch eine Methode zur Selbsterfahrung sowie eine Kultur- und Gesellschaftstheorie. Die Psychoanalyse geht davon aus, dass es neben dem Bewusstsein vor allem das Unbewusste ist, welches unser Verhalten steuert. Durch eine Psychoanalyse kann das bisher Unbewusste – ich würde es als das bisher Unverstandene bezeichnen – ins Bewusstsein treten. Durch dieses Bewusstmachen wird bisher nicht Verstandenes in einen Zusammenhang eingebettet und erhält dadurch einen Sinn. Dadurch entsteht Klarheit im Denken, Fühlen und Handeln.

In der Psychoanalyse geht man davon aus, dass jeder Mensch ein Über-Ich, Es und Ich hat. Das Über-Ich steht für die teilweise bewussten gesellschaftlichen Normen sowie den Anforderungen aus der Erziehung durch frühe Bezugspersonen, meist die eigenen Eltern. Das Es ist unbewusst und repräsentiert die Triebe/Instinkte, dessen Wünsche auf sofortige Erfüllung abzielen. Oft kommt es im Ich zu einem Konflikt, wenn das Ausleben von Trieben aus dem Es vom Über-Ich verboten werden. In solch einem Fall werden sogenannte Abwehrmechanismen notwendig, z.B. die Verdrängung, Idealisierung, Abwertung, Regression (Zurückfallen auf frühere Entwicklungsstufen). Es gibt noch viele weitere Abwehrmechanismen.

Erkundung der eigenen Gefühlswelt

Das Vorgenannte mag erstmal recht technisch klingen. Es stellt aber nur die theoretische Basis dar. Die praktische Psychoanalyse war für mich äußerst bodenständig und lebensnah.

In meiner Wahrnehmung geht es bei der Psychoanalyse vor allem darum, die eigene Gefühlswelt zu erforschen. Gefühle erstmal zuzulassen, zu fühlen und Worte dafür zu finden kann eine große Herausforderung sein. Zudem braucht es viel Zeit und Geduld mit sich selbst.

In der Psychoanalyse wird aufgrund des wenig Greifbaren im Unbewussten oft mit Metaphern, Symbolen und der Traumdeutung gearbeitet, was mir sehr gefallen hat. Anhand von Bildern und Geschichten lassen sich Zusammenhänge viel leichter verstehen.

Jede Psychoanalyse verläuft anders und ist genauso individuell und vielfältig wie wir Menschen auch.

Hierzu gibt es einen sehr guten Podcast – „Rätsel des Unbewussten“, um tiefer in die Welt der Psychoanalyse einzutauchen. Hier findet Ihr den Link dazu:

Podcast-Link zu „Rätsel des Unbewussten“

Sind Vorurteile nur Vereinfachungen der Wirklichkeit?

Nach meiner Erfahrung kommt es öfters vor, dass wir – ohne das Wissen oder die Erfahrung – über einen anderen Menschen ein Urteil fällen (dies gilt auch für andere Bereiche, doch hier soll es um Menschen gehen).

Ein Beispiel: „Die ist wie …“ und dann kann man beliebig einsetzen, an wen oder was einen die Person erinnert.

Die Sache mit dem vorzeitigen Urteil ist allerdings in der Wirklichkeit nicht so einfach. Denn wir können nicht von nur einer oder wenigen Situationen oder einer Aussage auf den gesamten Charakter eines Menschen schließen. Zudem verhalten sich Menschen immer in einem Kontext. Wenn dieser nicht ändert, dann sehen wir auch oft keine weiteren Facetten von diesem Menschen. Und Menschen können sich auch verändern.

Warum wir Vorurteile bilden

Warum bilden wir Vorurteile? Weil es einfach ist, in unserer Wahrnehmung feste Kategorien zu haben. Diese werden mehr oder weniger automatisch abgerufen und verbrauchen daher weniger Denkenergie in unserer immer komplexer werdenden Welt. Als Menschen streben wir grundsätzlich danach, nicht zu viel Energie aufzuwenden. Kategorien vereinfachen unser Denken und Handeln, sie machen das Leben aber leider auch ärmer im Hinblick auf neue Perspektiven und Blickwinkel.

Wir wissen in Wirklichkeit nicht so viel, wie wir manchmal denken.

Ich glaube, dass wir uns besser damit tun, wenn wir uns in Demut üben und zugeben, dass wir vieles einfach nicht wissen können. Eine Person relativ treffsicher einschätzen können wir sie erst, wenn wir sie in sehr vielen verschiedenen Situationen erlebt haben. Dann können wir sagen, wir kennen den Menschen sehr gut. Das heißt aber auch nicht, dass wir alles über ihn oder sie wissen. Denn mag es auch seltsam klingen: wir können einen anderen Menschen nie ganz kennen. Wir können immer nur das sehen, was derjenige uns zeigen mag.

Ähnlich ist es mit faktischem Wissen: Je mehr wir wissen, desto mehr müssen wir auch erkennen, was wir nicht wissen.